Das Mittelalter ist vorbei, die Neuzeit bricht an, Europa erbebt. Das alte Ständesystem mit den drei Säulen Adel,
Geistlichkeit und Bauern wird in seinen Grundfesten erschüttert. Nach langen Zeiten wirtschaftlicher Blüte
dämmert blutrot ein Krieg über Deutschland, wie es ihn vorher
noch nie gegeben hat. Ein kurzes Vorspiel liefert der dritte Stand, die Bauern.
"Im Jahre 1525 auf Judica kamen die aufrührerischen Bauern in Flein zusammen und drohten diesem Stifte mit der
Vernichtung, den Priestern und allen Magistratspersonen mit einem schändlichen Tode. Ihr Anführer und Aufhetzer
war Jeckleyn von Böckingen."
Die Bauern in Südwestdeutschland sind die ersten, bei denen
die gesellschaftlichen Spannungen der Zeit in offene Gewalt ausbrechen. Wie ist ihre Lage in der ersten Hälfte
des 16. Jahrhunderts? Im frühen Mittelalter war noch fast jedermann Bauer mit gut abgesicherten Rechten. Daneben wenige
spezialisierte Handwerker und Händler, darüber eine dünne Adelsschicht. Jetzt im 16. Jahrhundert sind die Bauern weitgehend rechtlos und völlig abhängig von ihrem Territorialherren,
der niedere Adel ist überwiegend verarmt, die hohen weltlichen und geistlichen Fürsten schreckten vor keinem Mittel zurück,
um ihren immer aufwändigeren Lebensstil zu finanzieren. Das einzige gesellschaftliche Gegengewicht zu ihnen bildet das
reiche Bürgertum der aufstrebenden Städte, allen voran der Freien Reichsstädte.
Mitten hinein flog jetzt die Fackel der
Reformation. "Von der Freiheit eines Christenmenschen" schrieb Luther 1520. Die Bauern nahmen ihn beim Wort. An zahllosen
Orten in Baden, Württemberg und Franken rotteten sie sich zu schlecht bewaffneten Haufen zusammen und begannen, Burgen
und Klöster in Schutt und Asche zu legen. "Wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern" wetterte Luther
jetzt; man solle sie wie einen tollen Hund erschlagen. Jäcklein Rohrbach aus Böckingen war einer der Führer des Aufstands
am Neckar und im Odenwald. Schulden bei einem Prälaten des Wimpfener Stifts trieben ihn in den Aufstand. Aus
durchaus eigensüchtigen Gründen war eines der ersten Ziele seines zunächst hauptsächlich aus Löwensteiner Bauern bestehenden
Haufens also Wimpfen im Tal. Aber die aus Flein übermittelten Drohungen reichten schon, das Stift zahlte die erhebliche
Summe von 600 Gulden, und so blieb Wimpfen von der Wut der Bauern verschont. Die oben zitierte Inschrift an der Wimpfener
Stiftskirche berichtet knapp in Spätlatein von dieser Begebenheit.
Schon viele Jahrzehnte vorher war es immer wieder zu
lokalen Aufständen gekommen. Der große Bauernkrieg kam also nicht aus heiterem Himmel. Um so schneller fand er ein Ende.
Bis zum Spätsommer des Jahres 1525 wurden alle Bauernhaufen vom Söldnerheer des Schwäbischen Bundes (zu dem auch die Stadt Wimpfen
gehörte) gnadenlos aufgerieben. Über 100 000 Bauern waren tot, natürlich die jungen, gesunden und tatkräftigen. Der Schaden
am Fundament der deutschen Feudalgesellschaft war unermesslich. Sicherlich einer der vielen Faktoren, die dazu führten,
dass Deutschland im Dreißigjährigen Krieg zum Spielfeld ausländischer Kräfte wurde.