Die Mauern von Wimpfen aus kaiserlicher Zeit: Sie stehen zum Teil noch heute. Wie kam es zu
ihrer Errichtung? Schauen wir uns also die Zeit nach der ersten Jahrtausendwende an.
Das Frankenreich Karls des Großen ist zerfallen; das ostfränkische Reich hat sich zum Deutschen Reich entwickelt.
Die Sachsen, erbitterte Gegner Karls, sind christianisiert und längst voll integriert. 919 hat mit Heinrich dem Vogler
der erste Sachsenkönig den deutschen Thron bestiegen. Es folgen drei Ottos und der zweite Heinrich. Die Zeit ab 1024
sieht für 100 Jahre die Salier als Kaiser, wieder ein Geschlecht mit fränkischen Wurzeln. 1138 kommt mit König
Konrad II. die Dynastie der Staufer an die Macht, die für Wimpfen von besonderer Bedeutung ist.
Drei große Machtfaktoren bestimmen den Lauf der Geschichte in dieser Zeit: Die Macht des Reiches, repräsentiert
durch König oder Kaiser, die Kirche mit dem römischen Papst an der Spitze und die regionalen Fürsten. Den deutschen
Kaisern gelang es nie, eine wirkliche Zentralmacht nach römischem Vorbild aufzubauen. Zwischen ihnen und dem Volk
stand nicht eine auf den Kaiser allein ausgerichtete Verwaltung, sondern ein vielfältig abgestufter Adel mit sehr starken
Eigeninteressen. Gegen dessen aus germanischen Stammeszeiten her traditionell starkes und später ständig wachsendes
Streben nach Selbständigkeit
suchten die Herrscher des Reiches das Bündnis mit der Kirche, die dafür Gegenleistungen erwartete und bekam. Wimpfen
wurde in diesem Zusammenhang bereits in fränkischer Zeit Besitztum des Bistums Worms. Damit war es dem Zugriff der
regionalen Adelshäuser entzogen, was für seine weitere Entwicklung von großer Bedeutung war. Viele Machtbefugnisse
lagen in der Hand des in Wimpfen im Tal residierenden bischöflichen Probstes. Im ersten Jahrhundert nach der
Jahrtausendwende kam es dann zu immer mehr Zerwürfnissen zwischen den Kaisern und den Päpsten. Die Bischöfe
entzogen sich mehr und mehr dem Einfluss der kaiserlichen Zentralgewalt. Das ging einerseit einher mit einer stärkeren Bindung
an den Papst, andererseits mit der Übernahme einer mit rein weltlichen Fürsten vergleichbaren politischen Rolle. Im
Gegensatz zu ihren Kollegen aus Mainz, Trier und Köln agierten die Wormser Bischöfe in dieser Zeit aber nicht besonders
geschickt und verloren viel von ihrem Einfluss und Land, was durchaus förderlich für die Entwicklung von Wimpfen
als selbständiger Stadt gewesen sein kann.
Aus dieser Zeit ist uns zunächst wenig über die Entwicklung von Wimpfen bekannt, am ehesten noch etwas über
Kirche und Stift in Wimpfen im Tal. Weit bis in diese mittelalterliche Zeit hinein reichte
jedenfalls die Bedeutung Wimpfens als Handelsplatz an dem alten Weg vom Rhein
über den Kraichgau und weiter nach Regensburg und Nürnberg, der hier den Neckar überquerte. Er wird auch als Heerstraße und
Reiseweg der immer mobilen Könige gedient haben.
Der Beginn der Siedlungsgeschichte von Wimpfen am Berg beibt bisher im Dunkeln.
Keltische Siedlung, römisches Heiligtum und merowingischer Königshof wurden schon auf dem prominenten
Bergsporn des Eulenbergs vermutet. Belegen lässt sich davon bisher nichts. 1182 war jedenfalls der Platz schon bedeutend genug, dass
Kaiser Friedrich Barbarossa hier ein Hoflager abhielt. Der in Waiblingen geborene Friedrich I. von Hohenstaufen war
damals bereits 60 Jahre alt, seit 30 Jahren stand er an der Spitze des Reiches. Kaum ausgestanden war der Konflikt
mit seinem welfischen Gegenspieler Heinrich dem Löwen. Noch knapp acht Jahre hatte der sagenumwobene Kaiser zu
leben, bevor der dann auf einem Kreuzzug im fernen Anatolien ertrank. Dass wir von seinem Aufenthalt in Wimpfen wissen
liegt nicht daran, dass der Ort den damaligen Chronisten besonders erwähnenswert erschienen wäre. Es liegt vielmehr an
der damals wie heute üblichen Sitte, Urkunden mit Ort und Datum zu unterzeichnen. Friedrich I stellte also im Jahre 1182
in Wimpfen eine bis heute überlieferte Urkunde aus, die der Stadt Trient befahl, sich dem Regime des dortigen Bischofs
zu fügen. Womit ein ganz großes Thema der Politik der Stauferkaiser angesprochen ist: das Reichsgebiet in Italien und
besonders die italienischen Städte.
Urkunden-Unterschriften belegen auch, dass Heinrich VI Anfang 1190 in Wimpfen war. Sein Vater Friedrich war da schon auf dem
Kreuzzug unterwegs, von dem er nicht mehr heimkehren sollte. Heinrich war schon seit 1169 deutscher König im Schatten
seines kaiserlichen Vaters. Aus dem Jahr 1193 gibt es eine weitere von ihm in Wimpfen als Kaiser ausgestellte Urkunde.
Nach dem Tod Heinrichs VI fiel die Macht für 20 Jahre an die Gegenspieler der Staufer, die Welfen. Danach kam mit
Friedrich II der bedeutendste der Staufer an die Macht, eine der strahlendsten Persönlichkeiten auf dem deutschen
Kaiserthron. König von Sizilien und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches: Der Schwerpunkt seines Lebens lag
eindeutig in Italien . Es heißt, er habe kaum deutsch gesprochen. Nur zu Anfang seiner Regierungszeit hielt er
sich für acht Jahre in Deutschland auf; drei Aufenthalte in Wimpfen sind in dieser Zeit belegt. Analog zu seinem
Großvater setzte auch er seinen
Sohn Heinrich VII in Deutschland als König ein. Der scheint oft und auch für längere Zeit in Wimpfen gewesen zu sein.
Urkunden gibt es von mindestens einem Dutzend verschiedenen Aufenthalten. Letzen Endes ereilte ihn sein Schicksal
auch in Wimpfen: Er zog mit seinem jugendlich ungestümen Herrschaftsstil dermaßen den Unwillen seines Vaters auf sich,
dass der sich genötigt sah, 1235 persönlich mit großem Hofstaat nochmals in Deutschland zu erscheinen.
Der 24jährige Heinrich wurde in Wimpfen von seinem 40jährigen Vater gefangen gesetzt, wenige Tage später in Worms vor
Gericht gestellt, abgesetzt und nach Süditalien verbannt. Der Atem der Weltgeschichte wehte in diesen Tagen durch Wimpfen.
Doch der Stern der Staufer sank bereits. Als Nachfolger von Heinrich setzte Friedrich II seinen minderjährigen
Sohn Konrad IV ein. Seine Wahl zum König gelang jedoch erst im zweiten Anlauf; gekrönt wurde er nie. Friedrichs
letzte Jahre waren von mehr Niederlagen als Siegen gekennzeichnet. Sein ganzes Augenmerk galt den Streitigkeiten
mit Papst und Städten in Italien. Er starb 1250 im Alter von 56 Jahren. Konrad IV konnte sich nun in Deutschland nicht
mehr halten und zog sich nach Italien zurück, wo er bereits 1254 im Alter von 26 Jahren starb. Die Geschichte der
Staufer in Deutschland war damit zu Ende. Es folgte eine königlose Zeit von fast 20 Jahren.
Die Mauern von Wimpfen am Berg: In den Jahrzehnten um das Jahr 1200 treten sie erstmalig groß und mächtig in Erscheinung.
Wohl in der Zeit Barbarossas erwarben die Staufer den Platz auf dem Eulenberg als Lehen vom Bistum Worms, wie immer
der Bergsporn damals auch bebaut gewesen sein mag. 1227, zur Zeit des noch sehr jungen Königs Heinrich VII., ging
dann die ganze Stadt Wimpfen als Lehen an die Staufer. In der Zwischenzeit war die burgartige Kaiserpfalz
entstanden, deren Gestalt heute noch als "Burgviertel" zwischen dem Roten und dem Blauen Turm erkennbar ist. Die flache,
den Berghängen abgewandte Seite der Pfalz war mit einem dritten, heute nicht mehr erhaltenen Turm stark befestigt. Vor den
Mauern lag damals der Marktplatz, schon an heutiger Stelle. Großes Steinhaus, Wormser Hof, Stadtkirche: Diese nach 800 Jahren
immer noch stehenden Gebäude entstanden in den Jahren nach 1200.
Um die Kirche herum breitete sich sehr schnell die Stadt aus, die in ihren Grundrissen heute als "mittelalterliches" Wimpfen zu bewundern
ist. Der Wohlstand erblühte. Wimpfen nutzte wohl die jetzt zur Verfügung stehenden Mittel geschickt, um sich immer
mehr Rechte und Privilegien zu erkaufen. Man errang einen hohen Grad an Selbständigkeit und den Rang einer Freien
Reichsstadt. Von 1250 ist das stolze Siegel der Stadt erhalten: REGIA WIMPINA GERIT HAEC VICTRICIA SIGNA, "Das königliche
Wimpfen führt dieses siegreiche Zeichen".