Die Kelten: Sie gaben Wimpfen den Namen, heißt es, genauso wie den Flüssen Neckar, Jagst und Kocher. Beginnen wir
also unseren Streifzug durch die Geschichte mit ihnen, auch wenn sie in Wimpfen keine Mauern hinterließen.
Wilde Gesellen, kämpfend mit naktem Oberkörper: So hört man es im Gemurmel der Schriften aus den fernen Zeiten
der Griechen und Römer. Gefürchtetete Feinde, bezahlte Söldner, besiegte Barbaren,
Verbündete und Stützen des römischen Reiches.
Was wissen wir schon über sie?
Relikte aus Gräbern, Häuserreste im Boden: Sie sprechen ihre eigene Sprache: 600 vor Christus. Im
Zweistromland steht Babylon in Blüte, in Griechenland beginnt das Zeitalter der großen Philosophen.
Eisen ist die neue Technologie und löst die Bronze ab. Ausgehend vom Süden Deutschlands hat die keltische
Kultur einen eindrucksvollen Siegeszug begonnen. Nur wenige Jahrhunderte später findet sich "typisch
Keltisches" von Irland und Nordspanien über Frankreich, Süddeutschland und Norditalien bis weit die Donau hinunter,
ja sogar bis nach Kleinasien.
Was wir jedoch nicht wissen: Wie breitete sich die keltische
Kultur aus? Zogen Völker durch Europa wie so oft in späteren
Zeiten? Verbreiteten nur kleine Gruppen von Händlern und Handwerkern kulturelle Vorstellungen und Fertigkeiten? Zogen
Missionare durch Europa im Dienst einer Religion, von der wir nur noch den Nachhall kennen?
Der Fantasie bleibt Raum...
In der Frühzeit bis 500 v.Chr., wir nennen sie heute Hallstatt-Kultur, hat sich schon eine adlige Oberschicht
ausgebildet. Handwerk und Handel bringen einen Wohlstand, der weit über eine einfache Bauernkultur hinausgeht.
In den Gräbern finden sich Güter und Technologien aus allen Hochkulturen der damaligen Welt. Nur eine Errungenschaft
machen die Kelten sich nicht zu eigen, obwohl sie sicher von ihr wissen: die Schrift. Überlieferung ist mündliche
Überlieferung, Barden und Druiden genießen hohes Ansehen. Ob hier wohl religiöse Vorstellungen wirkten?
Um die Mitte des ersten Jahrtausends v.Chr. kommt Bewegung in die blühende keltische Welt; es bricht das an, was wir heute
die LaTène-Kultur nennen. Die Zeit der glanzvollen und reichen Fürstensitze geht sehr schnell zu Ende. Große
soziale Umwälzungen werden in dieser Zeit vermutet. Ringwälle, Viereckschanzen, Oppida entstehen, befestigte Orte,
teilweise von enormer Größe.
Doch trügen diese Anzeichen von Sesshaftigkeit. Von Norden drücken die Germanen, und die bewunderten Hochkulturen des Südens
üben eine magische Faszination auf die Kelten
aus. Immer wieder verlassen urplötzlich ganze Völker ihre Siedlungen und machen sich auf den Weg, immer nach Süden,
Südosten, Südwesten. Ein Stamm erobert Rom, kann jedoch
das junge Römische Reich nicht dauerhaft gefährden. Immerhin setzen sie sich für einige Jahrhunderte in Oberitalien fest.
Ein großes keltisches Reich gibt es jedoch nie. Die rivalisierenden keltischen Stämme haben dem Siegeszug des Julius Caesar kurz
vor der Zeitenwende wenig entgegenzusetzen.
So schließt sich der Kreis nach Wimpfen: 58 v.Chr. schlägt Caesar bei Bibracte die keltischen Helvetier, die ihre
Heimat in der heutigen Schweiz verlassen hatten. Doch auch dort waren sie noch nicht lange. Antike Autoren
berichten, dass die Helvetier vorher im Norden des heutigen Baden-Württembergs wohnten. So könnte es durchaus sein, dass
in der keltischen Viereckschanze, die 1985 bei Bad Wimpfen entdeckt wurde, einmal Helvetier lebten. Und wer weiß,
vielleicht wären unter den Mauern von Wimpfen am Berg auch keltische Spuren zu finden? Liebten sie es doch,
ihre Befestigungen auf prominenten Höhen anzulegen.