Besonders diejenigen, die nicht direkt in Wimpfen wohnen, denken beim Thema "Mönche" womöglich zuerst an das
"Kloster" im ehemaligen Ritterstift in Wimpfen im Tal. Doch das Stift war erst in neuerer Zeit vorübergehend ein
Kloster. Die Kloster- und die Dominikanergasse in Wimpfen am Berg weisen aber darauf hin, wo mitten in Wimpfen in früherer
Zeit ein Kloster bestand. Bestand? Die Gebäude bestehen heute noch und beherbergen das Hohenstaufen-Gymnasium. Die
Klosterkirche ist auch heute noch die katholische Pfarrkirche.
Das Dominikanerkloster in Wimpfen am Berg ist jünger als das Stift in Wimpfen im Tal.
Es wurde 1264 gegründet, also nach der Zeit der Staufer. Das Ende des Klosterlebens für die damals etwa 18 Mönchen sollte,
wie für das Ritterstift, im Jahre 1803 kommen. Aber das Großherzogtum Hessen ging behutsam zu Werk und schickte erst
1818 die letzten beiden Mönche in Pension.
Zur Zeit der Klostergründung in Wimpfen blickte der Predigerorden, wie die Dominikaner offiziell heißen, auf eine zwar erst
kurze, aber äußerst erfolgreiche Geschichte zurück. Gegründet wurde er 1216 von dem Spanier Dominigo Guzman als kleine
Gemeinschaft von sechzehn Mönchen, deren Ziel es war, die "ketzerischen" Albigenser in Südfrankreich durch überzeugenden
Vortrag der katholischen Lehre wieder zum alten Glauben zu bekehren. Dazu gehörte für Dominikus auch ein Leben nach
christlichen Idealen. Der Lebensstil und die mangelnde Religiosität der damals etablierten Geistlichkeit war für viele
Menschen des Mittelalters mit Recht
ein permanenter Stein des Anstoßes. 1221, fünf Jahre nach der Ordensgründung, starb der begnadete Prediger und hinterließ
eine bereits über ganz Europa mit 60 Klöstern verbreitete Ordensgemeinschaft.
Zu den Regel des Predigerordens gehörte die absolute Armut. Es sollte keinerlei weltlichen Besitz geben, auch keinen
Gemeinschaftsbesitz, und die Mönche sollten ihren Lebensunterhalt in Form von Almosen erbetteln. Im Sinne
seines Gründers legte der Orden immer besonderen Wert auf die Bildung seiner Mitglieder, vor allem auf theologischem
Gebiet. Er widmete sich als Schwerpunkt der Volksbildung und dem Unterricht, bevorzugt in den Städten. Der Dominikanerorden hat
eine große Zahl von bedeutenden Persönlichkeiten und auch viele Künstler hervorgebracht.
Sein guter Bildungsstand und seine Verankerung als Bettelorden im Volk führten zu einer anderen, aus unserer heutigen
Sicht unrühmlichen Rolle des Dominikanerordens: Auf päpstliche Veranlassung übernahm er die führende Rolle bei der
Inquisition. In der Regel führten Predigermönche den Vorsitz bei Prozessen gegen Ketzer und Glaubensabweichler. Besonders
verfolgt wurden Waldenser und Albigenser, Beginen, Hussiten usw. Im Gegensatz zur heutigen allgemeinen Ansicht waren die
Ketzerprozesse im damaligen Kontext in der Regel aber durchaus als fair zu bezeichnen. Wer sich glaubhaft verteidigen
konnte wurde oft freigesprochen und falsche Beschuldigungen wurden scharf verfolgt. In den meisten Fällen wurden
Verurteilte zu guten Werken oder religiösen Bußen verpflichtet; Todesurteile gab es nur in seltenen spektakulären Fällen.
In Wimpfen spielte Ketzerei vor der Zeit der Reformation allerdings keine Rolle. So habe ich nichts darüber gelesen,
dass Wimpfener Dominikaner je als Inquisitoren tätig gewesen wären.
Zur Zeit der Gründung der Wimpfener Niederlassung war der Orden bereit auf dem Höhepunkt seiner Macht. In Deutschland
herrschte der kaiserlose Zustand des Interregnums, Wimpfen hatte sich gerade weitgehend dem Einfluss lokaler weltlicher
und geistlicher Fürsten entzogen und war zur Freien Reichsstadt aufgestiegen. Da der Orden ursprünglich keinen eigenen
Besitz kannte, begannen die Mönche in der Wimpfener Gegegend damit, Spenden für ihr Kloster und
die zugehörige Kirche einzuwerben, womit sie anscheinend recht erfolgreich waren. Bereits fünf Jahre später wurde ihre Kirche
geweiht, wie vermutet wird von keinem geringeren als dem berühmten Dominikaner Albertus Magnus. Sie war damals schon dem
Heiligen Kreuz geweiht und ist es heute noch.
Im Gegensatz zum Ritterstift und auch zu vielen Klöstern anderer Ordensgemeinschaften blieb das Wimpfener Dominikanerkloster
dem Grundsatz der Besitzlosigkeit im Großen und Ganzen treu. Im 14. und 15. Jahrhundert erwarb man durch Schenkungen
einige wenige Höfe und kleinere Güter (vor allem in Biberach), was aber nicht dazu benutzt wurden, das Kloster als starken
Wirtschaftsfaktor zu etablieren. Etwas anders sah es mit den Einkünften aus, also mit Rechten auf regelmäßige Zinsen
und Abgaben. Davon wurden dem Kloster im Laufe der Zeit eine ansehliche Anzahl gestiftet. Die Einnahmen wurden aber
offensichtlich nicht für den Erwerb von Ländereien genutzt, sondern für den Lebensunterhalt der Mönche
und den Unterhalt des Klosters. Zwischen 1450 und 1550 scheint so ein gewisser Wohlstand bestanden zu haben. Man ließ es sich gut gehen und die Ordensdisziplin litt stark, so dass auf Druck der Wimpfener
Bürgerschaft im Jahr 1460 Mönche des Nürnberger Predigerklosters eine Revision durchführen mussten und die Ordnung wieder
herstellten. Durch seine Art zu wirtschaften kam das Kloster ansonsten (bis zur Reformation) nie in größere
Interessenkonflikte mit der Stadt Wimpfen. Während dieser Blütezeit lebten 34 Brüder und 2 Lektoren in dem Konvent.
Ab 1539 beherbergte das Gästehaus der Dominikaner das Reichskammergericht, welches vor der Pest von Speyer nach Wimpfen geflohen war. Den
verwöhnten Herren scheint aber der Neckarwein nicht so recht gemundet zu haben: "Es war den guten herren vom cammergericht
einstails gleich seltzam zu Wimpfen zu wohnen, dann sie daselbst keinen gueten newen rheinischen Wein haben mochten,
muesten sich des sauren Neckerweins behelfen. Darumb wardt zu Wimpfen, wo sie zu cost giengen, ein schreien und fordern ob
disch nach dem crausen wein, id est, nach aim ehrenwein, der nit saur wer. Doctor Lienhart Hochmüller, war von Gerspach und ain
procurator am cammergericht, ein wunderschleckhaft man, von wegen das er faist schweinen, wildpret, sewmegen und alle
guete kees gern aße, der hat ab dem Neckerwein ain groß mißfallen. So er dann die knaben zu Wimpfen uf der gasen hörte
den newen wein außrüefen und loben: 'Gueten wein! süeßen wein! starken wein! küelen wein!' so rüeft er:
'Sauren wein! Mosthansenwein! kuhewarmen wein! keinutzigen wein!" (Zimmersche Chronik). Ansonsten hatte das
Gästehaus allerdings einen hervorragenden Ruf, denn in der Folgezeit logierte einmal Kaiser Karl V. im Kloster
und zweimal sein Bruder König Ferdinand.
Aber vielleicht tranken die ja lieber Bier, denn die Dominikaner betrieben in Wimpfen eine renomierte Brauerei. Dem
sittenstrengen Wimpfener Stadtrat war das ein rechter Dorn im Auge, wie zahlreiche Verordnungen belegen, die aus dem 18.
Jahrhundert erhalten sind.
Schwere Zeiten kamen mit der Reformation, die auch unter den Mönchen vereinzelte Anhänger fand. Im Dreißigjährigen Krieg
wurde das Kloster zunächst geplündert und dann durch den Schwedenkönig Gustav Adolf 1632 geschlossen und enteignet, kam aber
nach Wendung des Kriegsglücks 1634 wieder in Besitz des Ordens. Die Dominikaner versahen den Pfarreidienst für die
wenigen verbliebenen Katholiken der Gegend und engagierten sich später auch im Hospital.
Ein besonderes Schmuckstück der ehemaligen Dominikanerkirche ist ihre 1752 von Johann Adam Ehrlich fertiggestellte
Orgel. Unmittelbar vorher hatte der Meister 1748 die heute ebenfalls noch existierende Orgel der Stadtkirche
gebaut. Damals wohl Konkurrenz, heute Ökumene: Der
Orgelverein in Wimpfen möchte bis zum Jahr 2010 die um 1970 unsachgemäß umgebaute
Orgel der Dominikanerkirche wieder in eine dem Original nahen Zustand restaurieren lassen.
Wie so viele andere geistliche Einrichtungen überstand das Kloster die Säkularisierung Anfang des 19. Jahrhunderts nicht.
Erstaunlicherweise machte sich die Bürgerschaft des jetzt hessischen Wimpfen für das Kloster stark, so dass ein sanfter
Übergang gewählt wurde. Erst als 1818 nur noch zwei der Mönche lebten, wurde das Kloster offiziell geschlossen.
Ein weiterer Orden spielte in Wimpfen lange eine wichtige Rolle, obwohl ich nur sehr wenige Informationen über ihn
finden konnte: der Heilig-Geist-Orden, auch Hospitalbrüder oder Hospitaliter des Heiligen Geistes genannt. Dieser Orden
unterhielt in Wimpfen das Heilig-Geist-Spital, das sich der Kranken-, Alten- und Armenpflege widmete. Das Spital lag am
unteren Ende des Quartiers zwischen Hauptstraße und Langgasse. Es wurde in staufischer Zeit, vermutlich vor 1230, von den
Johannitern gegründet, und ist damit älter als das Kloster der Prediger. Die zum Spital gehörende Kirche war Johannes
dem Täufer geweiht und blieb es auch, als das Spital wenige Jahre später an den Heiliggeistorden überging.
Der Orden wurde von Guido von Montpellier in eben dieser Stadt als Hospitalorden gegründet und 1198 vom Vatikan
offiziell anerkannt. Bald verlagerte er seine Zentrale nach Rom an das Hospital Sancta Maria in Saxia. Von dort begann eine
moderate Ausbreitung über Europa. Im Mittelalter wurden in vielen Städten Hospitale dem Heiligen Geist gewidmet. Nur ein kleiner Teil
davon geht auf den Heiliggeist-Orden zurück. Seine Niederlassungen in Deutschland liegen fast alle in Südwestdeutschland.
Es wird vermutet, dass dies unter dem Einfluss der ja später in Italien beheimateten Staufer geschah. Spitale des Ordens
gab es in unserer Gegend noch in Markgrönigen und Pforzheim [Gisela Drossbach]. Organisatorisch war die Wimpfener
Ordensgemeinschaft dem Heilig-Geist-Kloster in Memmingen in Bayern angegliedert. Es scheint, dass im Hospitaldienst
nicht nur Mönche oder gar Ritter tätig waren, sondern auch Laienbrüder.
Wie alle geistlichen Gemeinschaften war auch das Spital im Mittelalter darauf angewiesen, entweder basierend auf Almosen
von der Hand in den Mund zu leben, oder Besitz und Nutzungsrechte (Pfründe) zu erwerben. Der Schwerpunkt der Besitzungen
des Heiliggeistspitals lag in Flein. Das Spital hatte aber ständig Schwierigkeiten, wirtschaftlich auf eigenen Füßen zu stehen.
Teilweise spielte auch Misswirtschaft eine Rolle. So geriet es immer stärker in Abhängigkeit von der Stadt. 1471 wurde dann
ein Vertrag geschlossen, der zwar nicht de jure, aber de facto das Spital in einen weltlichen und einen geistlichen Teil
trennte. Das eigentlich Siechenhaus stand danach unter städtischer Verwaltung. Die direkt daneben lebenden Mönche waren aber
weiterhin in der Krankenpflege und der Seelsorge tätig. 1773 war ihre kleine Kirche und das Kloster so baufällig, dass sie
abgerissen werden mussten. Beide wurden aber wieder neu aufgebaut, durch das heute noch bestehende Spitalgässchen jetzt
deutlich vom städtischen Spital getrennt.
Die Spitalordensbrüder ereilte in Wimpfen das gleiche Schicksal, wie die Dominikaner und die Chorherren im Tal:
Im Zuge der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhundert wurde das geistliche Spital (Kloster) samt
Johannes-Kirche aufgelöst. Der Orden der Hospitalbrüder vom Heiligen Geist verlor in diese Zeit die meisten seiner
Spitäler und wurde 1847 vom Papst aufgelöst. In Wimpfen fielen seine Gebäude - nach einigen Streitereien über die Besitzverhältnisse
dieser altehrwürdigen Liegenschaft - an den bayerischen König und von dort in Privatbesitz. Sie wurden zu Wohnhäusern und
einer Gaststätte umgenutzt. Das eigentliche Hospital (Bürgerspital) blieb im Besitz der Stadt Wimpfen.
Heute ist dort das Reichsstädtische Museum untergebracht.